Wohl jeder Tierbesitzer stellt sich früher oder später diese Frage, oder wird sich während der langjährigen Beziehung mit seinem Partner auf vier Pfoten überprüfen. Legen wir die Messlatte doch einmal hoch und richten sie an den Wünschen der Hunde aus.

Der Hund an sich ist großmütig und verzeiht vieles. Woran können wir also erkennen, was uns als Frauchen oder Herrchen auszeichnet? Um eine Antwort darauf zu finden, sollten wir den Blick von uns weg und auf unsere Vierbeiner richten. Darauf, was sie eigentlich von uns erwarten dürfen. Seit tausenden von Jahren zielt ihre Selektion darauf ab, sich dem Menschen anzuschließen. Ihnen wurden Merkmale angezüchtet, die uns dienlich sind oder attraktiver erscheinen. Doch nach wie vor sind Hunde Beutegreifer und Rudeltiere. Hochachtung also vor ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrem Bestreben, uns alles recht machen zu wollen.

Eine hohe Erwartungshaltung

Der Erwartungsdruck auf beiden Seiten ist hoch. Während sich der Tierbesitzer im immer enger gezurrten Korsett der Stadt und mittlerweile auch auf dem Land zurechtfinden muss, sieht sich unser Vierbeiner mit widersprüchlichen Erwartungen an sein Verhalten konfrontiert. Er soll bewachen, aber bitte nur den „Richtigen“ verbellen. Er avanciert zum Kuscheltier, muss aber seine Blase zusammenkneifen, wenn die Nacht für den Halter mal wieder länger dauert. Der Kontakt mit Artgenossen soll immer nett und höflich sein, aber bei Gefahr sein Schutztrieb sofort anspringen. Seinen tief verankerten Trieb zu Jagd oder Fortpflanzung hat er gefälligst zu kontrollieren. Kurz: Der Hund möge bitte höflich mit Persönlichkeit sein, immer alles gleich umsetzen, was wir denken oder sagen, und sich selbst dabei zurücknehmen.

Was einen guten Hundehalter ausmacht
Was verlangen wir von unserem Partner?
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Hunde sind großzügig

Ihr großer Vorteil: Hunde bewerten Dinge anders als Menschen. Zudem leben sie im Hier und Jetzt. Ein ungerechtes Anblaffen des felligen Freundes, wenn die Nerven des Tierbesitzers blank liegen – Schwamm drüber. Die kurze Bitte um ein kleines Outdoor-Erlebnis wird wegen Zeitknappheit vom Halter abgeschmettert – och, na gut. Unsere besten Freunde sind in der Lage, Dinge hinzunehmen, nicht alles auf die Goldwaage zu legen und stellen bei „Schlecht-Wetter-Stimmung“ die Beziehung nicht grundsätzlich infrage. Täten wir nicht gut daran, uns davon ein bisschen abzuschauen? Schließlich können wir genauso von unserem Vierbeiner lernen.

Die Grundlage einer harmonischen Beziehung

Die Entschiedenheit, zusammenzugehören, in guten wie in schlechten Zeiten, ist die Voraussetzung für eine stabile und verlässliche Beziehung. Das Regelwerk und die Aufgabenverteilung sollten klar umrissen sein, Hunde als eigenständige Wesen ernst genommen werden. Und dabei sind wir gleich an einem wichtigen Punkt: der Wahl des Wunschkandidaten. Passen Mensch und Hund wirklich zusammen? Denn der Vierbeiner hat das Recht auf Aufgaben, die ihm entsprechen, und wir müssen ihm dazu verhelfen. Weil er seinem eigentlichen Job kaum noch nachgehen kann, benötigt er für seine innere Zufriedenheit und ein gesundes Selbstvertrauen adäquate Beschäftigung.

Hier gilt es genau hinzusehen, was das Richtige ist. Ein Hütehund muss arbeiten können, er braucht gleichermaßen geistige wie körperliche Auslastung. Jagdliche Rassen freuen sich über Apportier- und Fährtentraining. Pudel wollen lernen, laufen, spielen und sind perfekte für den Hundesport. Alle aber sind sie auf die soziale Kommunikation mit ihrem Menschen angewiesen, von Spielangeboten bis Kuscheleinheiten. Dafür sollte immer Zeit sein, denn nichts stärkt so sehr die Bindung wie diese Zuwendung.

Was der Mensch leisten sollte

Der perfekte tierische Partner fällt nicht vom Himmel, und es gibt wohl kaum einen Tierbesitzer, der von Anfang an alles richtigmacht. Der Weg zur harmonischen Beziehung ist mit Höhen und Tiefen gespickt. Um ihn für unsere Felle gut zu gehen, müssen wir nicht nur ein verlässlicher Sozialpartner sein, sondern es ist unsere Pflicht, uns die nötige Sachkenntnis über ihre Pflege, Ernährung und Haltung anzueignen. Dazu gehört vor allem, die Körpersprache zu verstehen. Gerade bei der Erziehung des Welpen ist es unerlässlich, sie zu kennen. Nur so können wir den kleinen Pfoten Sicherheit geben und sie zu souveränen Hunden heranreifen lassen. Oder aber einem Mischling aus dem Tierschutz das Leben in der Stadt erklären. Denn auch für ihn ist alles neu und unsere Welt oft unbegreiflich.

Neben dem Wissen ist Bauchgefühl gefragt. Insbesondere dann, wenn es um eine gewaltfreie Erziehung geht. Methoden wie die der Unterwerfung, das Umdrehen des Ohrs oder heftiges Rucken an der Leine sind leider immer noch gang und gäbe in den Hundeschulen. Es liegt an uns, alles, was unserem Hund Schmerzen zufügt oder hartherzig ist, infrage zu stellen. Und sich im Zweifel umzuorientieren.

Entlassung aus der Einzelhaft

Was einen guten Hundehalter ausmacht
Hunde brauchen Kontakt zu Artgenossen
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Wir müssen unsere Hunde befähigen, in unserer immer enger werdenden, verrückten Menschenwelt klarzukommen. Sie lernen, sich zurücknehmen, Frust auszuhalten, etwas nicht zu tun oder zu bekommen. Dafür brauchen sie von unserer Seite aus Stabilität. In der Pandemie haben wir schmerzlich erfahren, wie es ist, unsere Lieben nicht besuchen zu können und mit eingeschränkten Kontakten zu leben. So ergeht es manchen Vierbeinern, die einzeln gehalten werden und nie von der Leine dürfen. Sie brauchen den sozialen Austausch jedoch genauso wie wir Zweibeiner. Artgenossen treffen, mit ihren Kumpels auf der Wiese toben oder einfach nur mit anderen Fellpfoten spazieren gehen – das gehört zu den Grundrechten eines Hundes.

Wenn alles schiefläuft

Was aber, wenn sich das Zusammenleben mit dem tierischen Freund als unabänderlich problematisch herausstellt, er nicht in unser Leben passt oder wir ihm seine grundlegenden Bedürfnisse nicht erfüllen können? Nach kritischer Selbstreflexion und ehrlichen Bemühungen, die Lage zu ändern, sollte dann über eine Trennung nachgedacht werden. Wenn die weitere Verantwortung nur mehr aus Gründen der Disziplin übernommen wird, ist höchstwahrscheinlich der Hund der Verlierer. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit versucht er, zunächst meist klaglos, mit den Gegebenheiten zurechtzukommen. Schlimmer ergeht es Sensibelchen, die sich stets als Störfaktor empfinden. Manche ziehen sich von ihrer Umwelt zurück, es ist für sie wie ein Sterben auf Zeit. Nicht zu vergessen, all diejenigen, die an Verhaltensauffälligkeiten leiden, zu anstrengend und aus diesem Grund dann abgegeben

Was einen guten Hundehalter ausmacht
Passen wir wirklich zusammen?
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werden.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Mit einem Hund verändert sich das Leben komplett. Jeder Halter kennt das oder wird es relativ schnell erfahren. Wir verzichten automatisch auf Dinge, die uns vorher wichtig waren, wir gehen dreimal am Tag Gassi, auch wenn es draußen noch so ungemütlich ist, wir verändern unseren Freundeskreis, wir reisen anders und sind um etwas reicher geworden. Um einen Partner, der alles mit uns teilt und so viel Liebe gibt. Das erfordert aber durchaus auch, uns als Hundehalter hin und wieder infrage zu stellen. Wenn wir unserem geliebten Vierbeiner seine Grundrechte gewähren und dies gelegentlich selbstkritisch überprüfen, können wir die eingangs gestellte Frage jedoch mit einem klaren „Ja“ beantworten! Maike Frenzel

 

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