Krallen schneiden, Ohren untersuchen, Blut abnehmen, impfen – für zahlreiche Hunde die reinste Tortur. Mit einem speziellen Training lernen Frauchen und Herrchen einige Tricks und Kniffe, um ihren Tieren all das zu erleichtern. Ein wahrer Segen, nicht nur für alle Angsthasen und Sensibelchen.
Tipps, um den Kopf anzufassen
In der Hundewelt hat der Kopf eine besondere Bedeutung bei verschiedenen sozialen Aktionen. Aus diesem Grund wirkt jede gezielte Bewegung, vor allem von oben
kommend und darauf zu, erst einmal bedrohlich. Ruhige und gleichmäßige Berührungen helfen dem Vierbeiner, jedes Anfassen besser einzuordnen.

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Wichtige Übung: Sanft die Hand über die Augen legen, die Ohren von vorn nach hinten auszustreichenoder leicht die Ohrmuscheln zu massieren. Diese entspannenden und angstlösenden Maßnahmen erleichtern später die Gabe von Medikamenten oder Untersuchungen der empfindlichen Sinnesorgane.
Tipps, um die Schnauze zu öffnen
Besonders heikel ist ein Blick ins Maul und auf die Zähne, denn wer macht schon gerne freiwillig das Mäulchen auf? Spielerisch und vor allem ohne Hektik erarbeiten sich die Halter das bei jeder sich bietenden Gelegenheit, zunächst von unten mit dem Kiefergriff.
Funktioniert das ganz gut, folgt der Schnauzengriff von oben. Vor allem kurznasige Rassen haben damit ihre Probleme, weil es ihre ohnehin schon engen Luftwege beeinträchtigt. Sie geraten dann schnell in Panik.
Tipps, um die Pfötchen zu zeigen

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Das Anfassen der Pfoten zuzulassen bedeutet stets eine Art Kontrollverlust, weshalb jede noch so kleine Annäherung unbegründete Ängste auslöst. Zu den unspektakulärsten Übungen gehören das tägliche Greifen, Säubern, Trocknen und Einreiben.
Absolut unerlässlich sind die gründliche Inspektion und Reinigung bei langem Fell zwischen den Zehen. Schnell haben sich Scherben, Grannen oder Dornen eingetreten. Dann ist es gut, wenndie Entfernung ohne große Sedierung erfolgt. Gleiches gilt für die Krallenpflege.
Tipps zum Hinlegen
Einige Untersuchungen sind im Liegen angenehmer für den felligen Patienten. Wer das immer wieder übt, bleibt bei klassischen Check-ups wie dem Abtasten des Genitalbereichs oder bei einer Blutentnahme gelassener. Bei Röntgen- und Ultraschallaufnahmen ist die Seiten- oder Rückenlage ohnehin relevant. Wer diese Stellungen bereits kennt oder sich auf Kommando hinlegt, ist dabei klar im Vorteil. Eine Verletzung am Vorderbein lässt sich in der Regel am besten in einer Sitzposition behandeln.
Tipps zum Stillstehen
Stillstehen bedeutet für Hunde eine Friedensgeste und ist an sich keine große Sache. Anders sieht es aus, wenn sich plötzlich der Doc vo hinten nähert, die Rute hebt, das Fieberthermometer einführt oder die Analdrüsen ausdrückt. Mit friedlichem Austausch hat das rein gar nichts zu tun, mal abgesehen von den Unannehmlichkeiten oder Schmerzen, die die Untersuchungen mit sich bringen.
Hündin oder Rüde sollten lernen, das Berühren der Intimzone zuzulassen. Die Halter bereiten sie am besten mit freundlichen Streicheleinheiten über den Rücken bis zur Schwanzspitze darauf vor. Anfangs bedächtig und erst wenn Bello oder Bella es dulden,
nähern sie sich den empfindlichen Stellen.
Tipps für das Maulkorbtraining

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Schmerzen verändern alles, daher steht im Bedarfsfall die Sicherung an erster Stelle. Ein Maulkorb verhindert Verletzungen auf beiden Seiten, besonders wenn die Angst groß ist und bereits Zähne gezeigt werden. Maulkorbtraining ist in vielen weiteren Situationen wichtig, beispielsweise beim Bahnfahren oder auf Reisen in andere Länder. Ess sollte unbedingt in jeden Trainingsplan augenommen werden.
Das Anlegen des Korbs geschieht freundlich und ohne viel Aufhebens. Ein rücksichtsvoller Umgang mit dem nützlichen Accessoire ist allerdings notwendig, denn dem Hund wird damit seine wichtigste Abwehrmöglichkeit genommen. Daher sollten Frauchen und Herrchen diese Sicherung nicht wegen Kleinigkeiten wie dem Entfernen einer Zecke
oder Bürsten des Fells überstrapazieren.
Tipps für das Alleinebleiben
Eine Trennung, und sei sie auch nur für ein paar Minuten, weil der Patient beispielsweise zum Röntgen muss, ist eine Herausforderung für Zwei- und Vierbeiner. Je öfter das Alleinlassen geübt wird, umso leichter fällt es allen Beteiligten. Das schafft Vertrauen und hilft dem Tier, die Zeit ohne seine Menschen, wie bei stationären Behandlungen, gut zu überstehen.
Tipps, um Ruhe zu bewahren
Das Wartezimmer gleicht oft einem Taubenschlag. Immer mehr Tierarztpraxen versuchen, den damit einhergehenden Stress mit unterschiedlichen Räumen für Hunde und Katzen zu entschärfen. Dennoch sind da andere Tiere, die hecheln, winseln, bellen, vielleicht auch provozieren oder zum Spiel auffordern. Nun heißt es vor allem, Ruhe zu bewahren und dem eigenen Gefährten mit seiner Lieblingsdecke oder einem Transportkorb eine Rückzugsmöglichkeit zu bieten.
Tipps für Frauchen und Herrchen

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Ein Fehler, den unwissentlich alle Halter machen, ist es dann, im Behandlungsraum die Aufmerksamkeit sofort auf das Problem zu lenken. Sprich, sie starren auf die Stelle, die blutet oder schmerzt. Doch Tiere mögen nicht angestarrt werden. Sie empfinden dieses Verhalten als Provokation und als beängstigend. Außerdem merken sie sofort, dass jetzt etwas richtig Unangenehmes folgt.
Wenn es sich nicht gerade um eine Notsituation handelt,entschärft zunächst freundliches Geplauder mit dem Arzt die Situation und wie beiläufig geht der zur Behandlung über.
Wichtiges zum Schluss
Um bestimmte Eingriffe und Behandlungssituationen erfolgreich zu managen, sind sogenannte Targetsignale nützlich. Der Hund lernt zum Beispiel, sein Kinn in die
Hand des Halters zu legen, während er Ohrentropfen bekommt. Eine vertrauensvolle Geste, die manches leichter macht. Und natürlich dürfen niemals die passende Ablenkung im entscheidenden Moment sowie die Belohnung für besonders tapferes Verhalten fehlen.
Ein absolutes No-Go bei der Unterstützung auf dem Behandlungstisch: Trotz aller Vorbereitungen ist es möglich, dass der Tierarzt oder die Praxishelferin etwas tut, was einem selbst nicht in Ordnung erscheint und/ oder für den Patienten keinesfalls hinnehmbar ist. Selbstverständlich dürfen die Halter dies mit einem ruhigen, aber deutlichen „Stopp“ unterbinden. Sie sollten aber keinesfalls ins Geschehen eingreifen, vor allem
nicht, wenn der Hund gerade im Begriff ist, sich zu wehren. Das kann in diesem Moment für alle gefährlich werden.
Außer im Notfall darf ein Tier nicht gegen den Willen des Besitzers behandelt werden, aber der Abbruch der Behandlung muss in einer stressgeladenen Situation langsam geschehen.
Dr. Dominique Tordy/Suzanne Eichel




