Miteinander herumzutollen ist für Hunde die schönste Beschäftigung der Welt. Ob mit Artgenossen, Frauchen oder Herrchen – Hauptsache, sie dürfen sich so richtig austoben. Im Spiel entwickeln die Vierbeiner soziale Kompetenzen, es fördert ihre Entwicklung und stärkt die Bindung zwischen Hund und Halter.
Die meisten Menschen greifen zum Spiel mit ihren Hunden meist zu einem Ball oder einem anderen Apportel, um es möglichst weit zu werfen. Dieses instrumentalisierte Spiel hat allerdings nichts mit dem ursprünglichen Spielverhalten der Vierbeiner zu tun. Das ursprüngliche Spiel zwischen Sozialpartnern, also in Hund-Hund oder Mensch-Hund-Beziehungen, ist ohne Ernstbezug und kennt keine Regeln. Es gestaltet sich spontan,
ist kreativ, abwechslungsreich und selbstbelohnend. Jeder Partner darf das Spiel sowohl beginnen als auch beenden, und die Rollen dürfen untereinander getauscht werden. Es lebt von der Abwechslung im Verhalten und nicht vom Equipment.
Das große Glück des Spielens

Dieses Sozialspiel macht Hund und Mensch einfach Spaß und sorgt für die Ausschüttung
einer ordentlichen Portion von Glückshormonen. Ein Riesenspaß sind beispielsweise Fangspiele auf der Wiese. Hunde lieben es, wenn jemand hinter ihnen herjagt und drehen nach einiger Zeit gerne einmal den Spieß um. In der gemeinsamen Aktion mit dem Menschen spielen Statusbezug, Rangordnung oder Dominanz keine Rolle. Das Spiel ist immer geprägt von Freiwilligkeit. Jegliche Zwänge würden es sofort beenden, was auch heißt: Es ist im Gegensatz zu den beliebten Hol- und Bringspielen frei von Zielsetzungen.
Voraussetzungen für ein zwangloses Spiel
Vertrauen und ein entspanntes Umfeld sind dabei am wichtigsten. Wir agieren zunächst komplett ohne Hilfsmittel. Wer seinen Hund im Spiel beobachtet, wird feststellen, dass dessengesamte Mimik überbetont ist. Die Augen sind beispielsweise extrem groß, das Maul weit aufgerissen und jede Bewegung überschwänglich. Es gibt eigentlich kaum etwas Schöneres, als den tierischen Partner dabei zu beobachten. Es ist Glück pur.
Neben dem Lustgewinn leistet das soziale Spiel aber einen wichtigen erzieherischen Beitrag: Es bereitet den Hund auf das Leben vor. Die Vierbeiner erproben spielerisch, in immer neuen Situationen mit unterschiedlichen Partnern, bestimmte Handlungen wie den Kampf oder Beutefang, das Pflege- oder Sexualverhalten.
Spielerisch Grenzen kennenlernen
So lernen Welpen und Junghunde flexibel zu kommunizieren, sich anzupassen und differenzierter mit dem Unerwarteten umzugehen. Aber auch motorische Funktionen wie zum Beispiel die Bewegungskoordination werden verbessert. Und genialerweise wird
ein Regelwerk in diesen Spielen erlernt. Es entwickeln sich Sozialkompetenzen
wie Fairness und Problemlösungsverhalten bei Konflikten.

Die Hunde lernen Grenzen und gegenseitige Handlungsspielräume kennen, üben und etablieren Rituale, die später bei Streitereien, Raufereienfereien, also im aggressiven Kontext, einer möglichen Eskalation entgegenwirken. Aus diesem Grund ist es für Welpen und Junghunde sogar lebenswichtig, mit Gleichaltrigen auf Augenhöhe frei zu spielen.
Aber bitte unter Aufsicht des Menschen. Denn manchmal kippt das Spiel und wird ernst. Dann empfinden die kleinen Raufbolde eher Stress als Lust. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll. Werden diese negativen Erlebnisse nicht umgehend professionell aufgelöst, können sie früher oder später im Umgang mit Artgenossen zu unerwünschtem, oft aggressivem Verhalten führen.
Eine stabile Bindung fördern
In Bezug auf die Mensch-Hund- Beziehung ist genau dieses kreative und abwechslungsreiche soziale Spiel elementar für die Entwicklung einer stabilen Bindung. Der dabei so wichtige Körperkontakt, einschließlich seiner Berührungen, lässt das Bindungshormon Oxytocin ansteigen. Abgesehen davon, dass diese Art der Interaktion einfach allen viel Spaß bereitet.

Da der Status hier keine Rolle spielt, darf auch der Hund zum Herumtollen auffordernund der Mensch sich völlig unbefangen auf ihn einlassen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Für das Spielen zu Hause sollte immer Zeit sein, nicht nur bei schlechtem Wetter, wenn die Spaziergänge vielleicht etwas kürzer ausfallen.
Gelegentlich turnen die Fellfreunde dann auf einem herum, schnappen nach einem Ärmel und finden es sehr belustigend, wenn die Halter ihre Pfoten jagen. Andere Vierbeiner laufen lieber durch die Wohnung, holen sich ihr Lieblingsspielzeug und entwickeln daraus ein Zerrspiel. Wird es hierbei zu hemmungslos, lernen sie durch ein Abbruchsignal, dass sie gerade über das Ziel hinausgeschossen sind. Übrigens, auch das Kuscheln und Grooming, also ein Komfortverhalten wie das Lecken oder zärtliche Knabbern, gehören im fließenden Übergang zum Spiel mit dazu.
Bitte keinen Junkie erziehen
Leider wird die Bedeutung dieses simplen, aber so wichtigen Spiels oft unterschätzt. Stattdessen bespaßen Tierbesitzer bereits ihre Welpen und Junghunde mit Bällen, Stöcken oder Ähnlichem, womöglich aus dem Irrtum heraus, ein junger Hund müsse stets gut ausgelastet werden. So werden schon von klein auf oft Balljunkies herangezogen, der Mensch zur Ballwurfmaschine degradiert, während die sozialen Fähigkeiten des Hundes
mehr und mehr auf der Strecke bleiben.
Mit fatalen Folgen: Diese Hunde sind alles andere als stressresistent, haben eine niedrige Reizschwelle und können Frustration nicht gut aushalten. Besonders anfällig sind Treib-,
Hüte- und Hirtenhunde – Herdenschutzhunde ausgenommen.
Zum Wohle der Vierbeiner sollte das freie soziale Spiel ein wesentlicher Teil unseres Alltags werden. Die Belohnung sind zufriedene Hunde und glückliche Halter. Suzanne Eichel




