Stress beim Tierarzt oder in der Tierklinik gehört für zahlreiche Hunde zum Alltag. Es ist die Angst vor dem Unbekannten und den seltsamen Vorgängen in der ungewohnten Umgebung, die sie nicht einordnen können. Dank des Medical Trainings lernen Hunde dabei entspannter zu bleiben. Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit der richtigen Vorbereitung. 

Selbst der freundlichste Labrador gerät in Panik, wenn er plötzlich von Fremden auf einem Behandlungstisch auf die Seite gelegt und fixiert wird. Tiere sind nicht in der Lage, sich zu äußern, sie brauchen Zeit, um zu verstehen, was ihre Besitzer und der Mann oder die Frau in Weiß von ihnen wollen. Sie benötigen eine Anleitung und genau hier kommt das Medical Training ins Spiel.

Das ursprüngliche Zootraining dient zum Einüben verschiedener Verhaltensweisen, um medizinische Behandlungen und die Pflege zu erleichtern. Der Kern besteht darin, den Vierbeinern beizubringen, dass Menschen manchmal merkwürdige Dinge tun, ihnen dabei aber nichts Schlechtes widerfährt. Spielerisch und schrittweise werden sie an typische Vorgänge während einer Untersuchung und Behandlung herangeführt. Die Übungen finden zunächst in der gewohnten Umgebung und ohne Druck statt. Das Ziel ist: Sie sollen dann an fremden Orten routinemäßig ablaufen und den Patienten zusätzlichen Stress ersparen.

Alles beginnt mit der Wahl der Tierarztpraxis

Die Wahl des Haustierarztes ist bereits entscheidend. Denn wenn Frauchen und Herrchen sich mit der Praxis oder der Vorgehensweise des Veterinärs nicht wohlfühlen, wie soll es Bello erst ergehen? Die Halter sind und bleiben die erste Bezugsperson, an der sich ihre Hunde auch in belastenden Situationen orientieren.

Ohne Angst zum Tierarzt
Die Praxis muss passen©stock.adobe stock.com

Umso wichtiger ist es, dass sie Sicherheit vermitteln, damit sowohl der Weg zum Doc als auch die anstehenden Untersuchungen so entspannt wie möglich stattfinden.

Je besser alle auf die Vorgänge vorbereitet sind, desto ruhiger und effektiver verlaufen die Behandlungen. Es ist sinnvoll, den Welpen oder neuen Gefährten einfach schon mal an die Praxis zu gewöhnen – ohne dass dort gleich etwas passieren muss. Sei es ein Spaziergang dorthin, eine kurze Begrüßung, das Reinschnuppern in den Behandlungsraum, das mit einem Leckerli belohnt wird, beim nächsten Mal nur ein kleiner Check – das nimmt vielen Tieren die Furcht.

Eine sichere Basis aufbauen

Als Erstes sollte der Hund lernen, dass Menschen es grundsätzlich gut mit ihm meinen. Täglicher Körperkontakt wie sanftes Streicheln, beiläufiges Wegschieben oder Antippen mit dem Finger wird so für ihn ganz normal. Je mehr angst- und schmerzfreie Berührungen er erlebt, umso eher wird er versehentliche Verletzungen als Ausnahme bewerten. Für junge, noch unvoreingenommene Tiere ist ein gewöhnlicher Tierarztbesuch eine vergleichsweise kleine Herausforderung.

Ohne Angst zum Tierarzt
Spielerisches herantasten  ©stock.adobe stock.com

Anders verhält es sich mit denen, die bereits schlechte Erfahrungen gesammelt haben, sehr misstrauisch sind oder aggressiv reagieren. Hier ist es ratsam einen Verhaltenscoach hinzuzuziehen. Hunde lernen ortsgebunden – ein wichtiger Aspekt beim Medical Training. Nur weil sie bestimmte Handlungen zu Hause zulassen, heißt das noch lange nicht, dass diese auch in der Tierarztpraxis einfach durchführbar sind. Dementsprechend sollten die Übungen an verschiedenen Orten und am besten in Anwesenheit anderer Personen trainiert werden.

Die richtigen Worte wählen

Eine weitere Lernerfahrung besteht in der Akzeptanz der Manipulationen, unabhängig von Orten und Personen, indem der Halter diese mit Wörtern verknüpft. Er sagt beispielsweise
„Zääähne“, wenn er Maul und Lefzen untersucht, oder „Pfooote“, wenn die Pfoten an der Reihe sind. Lang gezogene Vokale erzeugen eine ruhige Stimmung – auch bei den Zweibeinern.

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Auch Worte wirken ©stock.adobe stock.com

Das Medical Training kommt in vielen Bereichen zum Tragen und dient eben nicht nur dem Vierbeiner, sondern auch den dazugehörigen Haltern. Eine gute Sozialisierung, strukturiertes Training sowie Vertrauensaufbau und Kooperationsbereitschaft des besten Freundes sind die Basis für einen möglichst entspannten Tierarztbesuch. Gleichfalls für alle Maßnahmen, die zu Hause stattfinden, damit auch die Fell- und Pfotenpflege nicht zum alles verzehrenden Kraftakt werden. Dominique M. Tordy

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Dr. Dominique M. Tordy, Kynos · ISBN 978-3-95464-332-5 · 19 €

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