Pollen fliegen, und noch eine versteckte Gefahr lauert jetzt auf Zwei- und Vierbeiner: Gespinstnester! Vorsicht ist beim Spaziergang geboten, insbesondere an Stellen, an denen Schilder auf Eichenprozessionsspinner hinweisen.

Es handelt sich nur um winzige Schmetterlinge: die Eichen- und Kiefernprozessionsspinner. Doch ihre Nester können schwere Vergiftungen auslösen. Verantwortlich sind die bis zu 600 000 Brennhaare der Raupen dieses unerwünschten Nachtfalters. Diese enthalten ein äußerst wirksames Eiweißgift namens Thaumetopoein. Das Nesselgift kann beim Menschen und Hunden schlimmste allergische Reaktionen, Atemnot und Schockzustände hervorrufen. Die Raupen leben in Gruppen und ziehen in Prozessionen umher, um Blätter oder Nadeln zu fressen. Tagsüber halten sich die älteren Larven in Gespinstnestern auf, die bis zu einem Meter lang werden können.
Kleine Raupen, große Folgen

Die Klimakatastrophe begünstigt die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners in Deutschland. Während die Raupen für einige Wildtiere eine Nahrungsquelle darstellen, sind sie für Zwei- und Vierbeiner eine ernsthafte Gefahr. Ab April entwickeln die Insekten ihre feinen Brennhaare, die bis Juni ihre gesundheitsschädlichste Wirkung entfalten. Hunde sind besonders gefährdet, da sie die Brennhaare beim Schnüffeln aufnehmen können.
Der gefährliche Schmetterling lebt vor allem in Regionen mit vielen Eichen, da er sich bevorzugt von deren Blättern ernährt. Besonders häufig tritt er unter warmen und trockenen Bedingungen auf, etwa an Waldrändern, in lichten Parks, Wäldern und Alleen.
Symptome und Maßnahmen
Die Vierbeiner zeigen schnell Symptome wie Juckreiz, Rötungen, geschwollene Bindehäute, Schwellungen an Mund und Nase, Schleimhautentzündungen, Atemprobleme sowie starkes, oft blutiges Erbrechen oder leiden unter einem allergischen Schock mit Fieber und Abgeschlagenheit. Beim Menschen äußern sich Reaktionen vor allem durch Hautirritationen mit Juckreiz, Rötungen, Bläschen sowie Augenreizungen, Atembeschwerden, Fieber, Schwindel oder ebenfalls allergische Schocks.

Hilfreiche Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Risiken sind das Meiden befallener Gebiete. Ist das nicht möglich, sollten Hunde besser angeleint bleiben und nicht in der unmittelbaren Umgebung herumschnüffeln. Auf keinen Fall dürfen sie die Raupen aufnehmen. Notfalls schützt ein Maulkorb davor.
Nach dem Kontakt mit Raupenhaaren dürfen die Augen niemals berührt werden. Erste Hilfe: Wer eine Wasserflasche dabei hat, sollte die betroffene Stelle sofort auswaschen. Andernfalls sollte man schnell nach Hause gehen und dort mit Wasser spülen. Danach ist umgehend ein Tierarzt zu konsultieren. Dort wird Kortison gespritzt und ein Schmerzmittel verabreicht, um dem Hund das Leiden zu erleichtern.
Die Raupen des letzten Sommers sind längst geschlüpft, haben im Juli und August ihre Eier abgelegt und sind anschließend gestorben. Ist die Gefahr damit gebannt? Nein! Denn heftige Herbststürme können die verwaisten Nester von den Bäumen wehen und sie so noch bis in den Winter, vor allem für tierische Begleiter, zum Problem machen. Luzy Petersen




