Bällchen jagen, Frisbee fangen, gemeinsam mit dem Halter joggen, neben dem Fahrrad herlaufen oder oder lange Wanderungen – all das gehört für viele Hunde zum Alltag.  Besonders sportlich ambitionierte Schnauzen finden beim Hundesport ihre Erfüllung. Leider können sich unsere besten Freunde dabei auch verletzen. Hier haben wir die häufigsten Sportunfälle und Erste-Hilfe-Maßnahmen aufgelistet.

Wissenschaftler aus New York haben das Verletzungsrisiko beim Hundesport in einer Studie untersucht und festgestellt: 33 Prozent von rund 1 600 befragten Tierbesitzern gaben an, dass sich ihre Lieblinge dabei schon einmal Blessuren zugezogen haben. Die meisten Probleme hatten die vierbeinigen Sportler an den Schultern. Kein Wunder, denn die müssen so einiges aushalten. Sie sorgen für stabilen Halt und fungieren gleichzeitig bei
jeder Bewegung wie eine Art Stoßdämpfer. Die Schulter verbindet den Brustkorb und die Vorderläufe des Hundes und besteht nicht nur aus dem Gelenk, sondern auch aus Muskeln und Sehnen.

Die häufigesten Sportverletzungen beim Hund
Beim Herumtoben kann schnell mal etwas passieren
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Typische Sehnenverletzungen

Ein falscher Tritt auf der Wiese, ein übermütiger Sprung oder aber zu langes, schnelles Laufen belastet vor allem die Bizepssehne. Der Vierbeiner zeigt dies durch Lahmen an oder humpelt plötzlich auf drei Beinen daher.

Zunächst muss der Hund ruhen und sich unbedingt schonen. Treppensteigen und Gassigänge sind bei einer akuten Lahmheit erst einmal tabu. Zeigt er am Folgetag immer noch das gleiche Verhalten oder Schmerzen beim Strecken und Beugen des Schultergelenks, sollte er auf
jeden Fall einem Tierarzt vorgestellt werden. Ansonsten drohen Entzündungen oder ein Anriss der Sehne.  Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente sind jetzt hilfreich

Verstauchung oder Zerrung

Abrupte Richtungsänderungen wie beim Agility haben oft eine Zerrung der Sehnen zufolge. Ein Sturz, Umknicken oder Hängenbleiben bei einem Sprung sind mögliche Ursachen für eine Verstauchung. Der Begriff umschreibt es schon, denn dabei werden die Gelenkflächen
extrem ineinander verschoben. Sie springen zwar schnell wieder in ihre ursprüngliche Stellung zurück, Bänder und Gelenkkapseln werden allerdings überdehnt oder verletzt und verursachen starke Schmerzen.

Die häufigsten Sportverletzungen beim Hund
Verbinden und kühlen ist wichtig
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Der Hund lahmt, vermeidet eine Belastung der betroffenen Körperstellen, läuft steif, mag sich kaum bewegen oder hat geschwollene Gelenke. Dann muss der Spaziergang, das Training oder der Wettkampf sofort abgebrochen werden. Sind die Verletzungen sichtbar? Beim vorsichtigen Abtasten der Gelenke sollte der Halter auf warme und schmerzende Bereiche achten. Dann die betroffenen Stellen kühlen und dem Vierbeiner viel Ruhe verschaffen.

Überstreckung des Handwurzelgelenks

Flyball oder Sprünge nach einer Frisbeescheibe sind die häufigsten Ursachen für eine Überstreckung des Handwurzelgelenks. Die verletzte Pfote ist dann deutlich
überbeweglich und nicht mehr in der Lage, das Gelenk zu stabilisieren.

In vielen Fällen helfen das Ruhigstellen der Pfote sowie Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente, um die Stabilität des Gelenks wiederherzustellen.
Bleibt die konservative Therapie ohne Erfolg, hilft meistens nur noch eine Versteifung des entsprechenden Gelenks. Diese erfolgt in einem operativen Eingriff unter Vollnarkose.

Ausgerenktes Gelenk

Ähnlich wie bei der Verstauchung verschieben sich die Gelenkflächen bei einer falschen Bewegung heftig ineinander, allerdings so stark, dass dabei die Kapseln und
Bänder reißen. Der Hund kann das entsprechende Gelenk nicht mehr bewegen, und es weist eine abnorme Stellung auf. Häufig wird das Geschehen von Blutergüssen und starken Schwellungen begleitet. Manche Vierbeiner zeigen zudem einen aufgekrümmten Rücken.

Jetzt auf keinen Fall den Hund bewegen oder selbst versuchen, das Gelenk wieder einzurenken. Der Besitzer sorgt am besten für eine ruhige und stabile Lagerung des Tieres
und kühlt die Stellen mit Eis oder feucht-kalten Umschlägen. Der verletzte Vierbeiner muss schnellstmöglich in die Tierklinik. Dafür sollte er auf einer Trage oder einer festen Unterlage zum Auto transportiert werden.

Die häufigsten Sportverletzungen beim Hund
Prellungen sind sehr schmerzhaft
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Der Klassiker: Prellung

Dieses Trauma wird durch einen Sturz, stumpfen Schlag oder Stoß ausgelöst und ist sehr schmerzhaft für den Hund. Zumeist sind Muskulatur, Bänder, Knochenhaut oder auch Gelenkkapseln betroffen, die stark anschwellen und einen Bluterguss bilden.

Ähnlich wie bei einer Zerrung muss sofort jede Aktivität abgebrochen werden. Auch hier sorgt Kühlung für sichtliche Linderung. Zeigt der Hund nach einigen Tagen noch sichtliche Beschwerden oder reagiert auf Berührungen empfindlich, ist es sinnvoll, einen Tierarzt aufzusuchen, um weitere Verletzungen auszuschließen.

Der absolute Ernstfall: Knochenbrüche

Das Skelett ist nicht nur essenzieller Bestandteil des Bewegungsapparates, es hat auch eine Schutz- und Stützfunktion. Die Wirbel und Rippen schützen beispielsweise das Rückenmark und die Lungen. Stürze mit Knochenbrüchen passieren oft bei extremen Sportarten
wie beim Canicross oder Hundebiathlon, aber auch beim Laufen neben dem Fahrrad. Ein Bruch ist für den Hund sehr schmerzhaft. Der Vierbeiner entlastet die betroffene Körperstelle oder bewegt sie überhaupt nicht mehr. Häufig steht der Knochen in einem ungewohnten
Winkel ab, die Stelle ist geschwollen oder sehr warm.

Bringen Sie den Hund in eine stabile Lage, sorgen Sie dafür, dass er vor Schmerz nicht um sich beißt, und transportieren Sie ihn schnellstmöglich in eine Tierklinik. Ein Bruch muss unbedingt ruhig gehalten und gerichtet werden, damit er keine weiteren Verletzungen
verursachen kann. Auf keinen Fall selber schienen, sondern dem Tierarzt diese Aufgabe überlassen.

Zu guter Letzt immer Kreislauf checken

Jedes der genannten Traumata kann beim Hund einen Schock auslösen. Er taumelt, ist nicht mehr in der Lage sich auf den Beinen zu halten oder hechelt stark. Kreislaufprobleme lassen sich auch an der Färbung der Bindehaut oder des Zahnfleisches erkennen. Die
Bindehaut weist im Normalzustand eine rosa, das Zahnfleisch eine rote Farbe auf.
Um den Kreislauf zu kontrollieren, misst der Halter den Puls seines Hundes. Dafür bringt er den Vierbeiner in eine Seitenlage, legt seine Finger mittig auf die Innenseite des Oberschenkels, direkt unter dem Hüftgelenk. Hier nach einer Arterie tasten, die sich wieeine dicke Sehne anfühlt. Dann den Puls 15 Sekunden lang zählen und mit vier multiplizieren. In der Regel liegt er bei 70 bis 160 Schlägen pro Minute.

Die häufigsten Sporverletzungen beim Hund
Halter sollten wissen, was im Ernstfall zu tun ist
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Für den Notfall vorbeugen

Ein Unfall kann immer und überall geschehen, daher ist es ratsam, sich vorab schon mit Erste-Hilfe-Maßnahmen zu beschäftigen. Wichtig ist, dass der Hund seinem Halter vertraut und sich auch in Ausnahmesituationen von ihm anfassen lässt. Spielerisch können beim Rangeln zu Hause oder dem Spiel auf der Wiese stabile Seitenlage oder das Pulsmessen geübt werden. In einem Erste-Hilfe-Kurs lernen Frauchen und Herrchen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, und können so im Ernstfall besonnen reagieren.

Suzanne Eichel

 

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