Die Vergrößerung der Prostata ist eine Erkrankung, die meist unkastrierte Rüden im fortgeschrittenen Alter betrifft. Bei ihnen verändert sich der Hormonhaushalt. Durch die vermehrte Ansammlung von Testosteron in diesem Organ schwillt sie an und das führt dazu, dass sie kaum noch Kot absetzen können.

Der Begriff „Prostata“  leitet sich von den lateinischen Wörtern „pro“, also „vor“ und „stare“ für stehen“ ab. Die Vorsteherdrüse gehört zu den Geschlechtsorganen des Rüden. Sie liegt hinter der Harnblase im Becken und umschließt die Harnröhre. Die Drüse produziert unter anderem einen Teil der Samenflüssigkeit und verhindert, dass das Sekret und der Urin gleichzeitig in die Harnröhre gelangen. Die Funktionstüchtigkeit der Prostata ist eine wichtige Voraussetzung für die Fruchtbarkeit und die Zeugungsfähigkeit des Hundes.

Typische Anzeichen für Prostataprobleme

Eine vergrößerte Prostata drückt den Darm gegen die Lendenwirbelsäule und verursacht dadurch die Beschwerden beim Stuhlgang. Der Kot wird im Darm platt gedrückt, erscheint wie ein flaches Band. Wenn der Vierbeiner große Probleme hat, Kot abzusetzen und sich dabei sichtlich quält, sollte eine rektale Untersuchung durch einen Spezialisten erfolgen. Heike Thiemeyer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist auf urologische Erkrankungen bei Hunden spezialisiert und hat eine Studie zur klinischen und genetischen Charakterisierung der unterschiedlichen Prostataerkrankungen des Hundes veröffentlicht.

Eine Vergrößerung der Prostata ist ein häufiges, meist harmloses Leiden nicht kastrierter, alter Rüden. Doch für alle Fälle sollte stets abgeklärt werden, ob nicht eine ernsthaftere Erkrankung zugrunde liegt.

Weiterführende Untersuchungen sind sinnvoll

Zunächst muss aber mittels eines Röntgenbildes abgeklärt werden, ob vielleicht auch Metastasen im Darm die Ursache sein könnten. Eher selten sind bösartige Karzinome. Eine Feinnadelaspirationsbiopsie gibt darüber Aufschluss. Unter Ultraschallkontrolle werden mithilfe einer haarfeinen Injektionsnadel Zellen abgesogen und anschließend im Labor genauer untersucht. Ein bösartiges Karzinom ist keine gute Nachricht, denn das bedeutet, dass der Krebs schon den ganzen Körper befallen hat, wenn er erkannt wird. Deshalb forschen die Tierärztin intensiv nach Markern im Blut oder Urin der Vierbeiner, die früh ein solches Karzinom anzeigen.

Kastration ist kein Allheilmittel

In den meisten Fällen senkt eine Entfernung der Hoden den Testosteronspiegel dauerhaft und lässt die Prostata innerhalb von drei Monaten auf ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe schrumpfen. Wenn aufgrund gesundheitlicher oder rassebedingter Probleme dieser Schritt nicht möglich ist, wir der Hormonhaushalt des Hundes medikamentös behandelt. Auch dadurch schrumpft die Prostata vorübergehend.

Selbst wenn der Hund im fortgeschrittenen Alter ist, empfiehlt die Expertin der TiHo eine Kastration. „Der Eingriff kann die Lebensqualität der Rüden noch einmal deutlich erhöhen und vor allem ihren Stuhlgang merklich erleichtern“, schildert sie. Doch grundsätzlich und schon im Welpenalter die Hunde zu kastrieren, verneint die Veterinärin vehement. Ihrer Auffassung nach sollte ein Rüde niemals prophylaktisch kastriert werden. Ein derartiger Eingriff kann unter Umständen ein Prostataleiden begünstigen. Sie rät zu regelmäßigen Routineuntersuchungen, bei großen Vierbeinern ab dem fünften Lebensjahr, bei kleineren ab dem siebten Jahr. Denn diese Vorsorge kann unter Umständen Leben retten. Jana Schütze

Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die niedersächsische Stiftungshochschule wurde 1778 gegründet und ist die älteste und einzige der fünf veterinärmedizinischen Lehrstätten in Deutschland, die ihre Eigenständigkeit bewahrt hat. Zu ihr gehören sechs fachübergreifende Zentren, sechs Kliniken, 19 Institute und drei Außenstellen: in Büsum das Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung, das Lehr- und Forschungsgut in Ruthe und die Außenstelle für Epidemiologie in Bakum bei Vechta.

Foto: Andreas Krone