In den Regalen der Tiersupermärkte ist es bunt – und leider oftmals gefährlich. Denn die Standards für die Herstellung von Heimtierbedarf, insbesondere von Hundespielzeug, sind erschreckend gering. Ein Würzburger Unternehmen will das ändern und weiß, auch die Tierhalter wünschen sich mehr Sicherheit und Transparenz für ihre vierbeinigen Lieblinge.

Unsere Welt ist voller Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere, mit Silikon als Ausnahmetalent, wie es beispielsweise in Hundebackmatten vorkommt. Sie ist aber auch voller Chemikalien, Weichmacher und gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe. Alles Dinge, mit denen unsere Vierbeiner ständig in Berührung kommen. Die Tiere erkranken, weil sie beispielsweise beim stundenlangen Kauen auf einem Spielzeug Giftstoffe aufnehmen.

Das Prüfsiegel für Hundespielzeug
Auch die Welt der Hunde ist voller Plastik

Die Rede ist von Phthalaten (Weichmacher mit potenziellen gesundheitlichen Risiken), PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) als umwelt- und gesundheitskritische Verbindungen, N-Nitrosamine und N-nitrosierbare Stoffe mit krebserzeugendem Potenzial. Außerdem von Bisphenol A (BPA), einem endokrinen Disruptor, also Stoff mit möglichen Auswirkungen auf das Hormonsystem, Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber und weiteren toxischen Metallen sowie von bromhaltigen Flammschutzmitteln. „All diese Schadstoffe könnten in den Materialien, die wir testen, enthalten sein“, so Anja Armani und Alexander Ebenbeck,  die für den Heimtierbereich im SKZ zuständig sind.

Plastik ist überall

Ein Ball liegt im Garten und verrottet, ein Frisbee ist ziemlich angenagt und kaum noch flugfähig, das Zergelseil, gerade frisch gekauft und angeblich aus unbedenklichen Naturmaterialien, ist komplett geschreddert. Und dann sind da noch das Hundebett, das direkt nach dem Aufstellen einen unangenehmen Geruch verströmt, die Leine, die zwar
schön aussieht, aber rötende, juckende Stellen an der Hand des Frauchens verursacht und der Napf, aus dem der Hund plötzlich das Trinken verweigert.

 

Das Prüfsiegel für den Heimtierbedarf
Was steckt drin? stock@adobestock.com

Für Tierspielzeug gelten weder Schadstoff-Grenzwerte noch eine Verpflichtung zur Überprüfung. Produkttests zeigen, dass nicht nur Plastik, sondern sogar Naturmaterialien
wie Kautschuk oder Leder Giftstoffe enthalten beziehungsweise mit Chemikalien behandelt sind. Besonders gefährlich sind zudem Verletzungen durch ungeeignete, scharfkantige und splitternde Bestandteile und sprödes Plastik. Verschluckte Fremdkörper werden oft lebensgefährlich für die Hunde, insbesondere für Welpen, die mit ihren spitzen Zähnen alles kurz und klein kriegen.

Der Würzburger Hund beisst zu

Hundespielzeug auf dem Prüfstand
Der Würzburger Hund bei der Arbeit

Im SKZ werden nicht nur die kritischen Inhaltsstoffe, sondern auch die physikalischen sowie mechanischen Eigenschaften und die Beständigkeit geprüft. Und natürlich die Bissfestigkeit, die besonders aussagekräftig ist. Dafür ist der Würzburger Hund zuständig. Gerade bearbeitet er eine blaue Hundehantel. Das Metallmaul malmt im summenden
Rhythmus darauf herum. Hier ist ein Satz Zähne eines Golden Retrievers nachgebaut, der mit 10 000 Bissen und einer Beißkraft von 50 Kilogramm zugange ist. Der zyklische Test prüft das Material auf Beständigkeit und soll das Risiko von verschluckbarenKleinteilen reduzieren.

Viele Tests sind notwendig

Umweltsimualtion
Frisbees im Test

In einem anderen Raum geht es um die Prüfung der Bewitterungs- und UV-Beständigkeit. „Wir erzeugen eine künstliche Simulation hinsichtlich sämtlicher Umwelt- und Witterungseinflüsse. Eine Woche hier drin entspricht circa einem Vierteljahr in der Natur“, sagt Armani. Im nächsten Raum zieht ein Gerät hinter Glas ein pinkes, ausgestanztes Gummiteil in die Länge. „Unser Zugversuch zur Bestimmung mechanischer Eigenschaften“, erfahre ich. Über einen Bildschirm flimmern Zahlen und Kurven, eine Mitarbeiterin sitzt davor, beobachtet alles und kann so später eine Bewertung darüber abgeben, welchen Kräften das Produkt standhält. Auch die berühmten Zergelseile mussten schon auf diese Streckbank, da kennen die Prüfer keine Gnade.

Ein wichtiges Siegel für alle

Warum also sind die Regale immer noch voll von Dingen, die weder robust noch speichelfest und vor allem schadstofffrei sind? Markus Seidl von der Healthy Toys GmbH war einer der Ersten, der seine Produkte vom SKZ prüfen ließ. „Als Hersteller, Hundehalter und Discdogging-Fan möchte ich sicher sein, dass die Materialien in jeglicher Hinsicht unbedenklich sind“, sagt der Unternehmer, der selbst in der Kunststoffbranche tätig ist. „Von der Idee bis zum fertigen Produkt kommt bei uns alles aus einer Hand. Dazu gehört für mich auch, lebensmittelechte und geruchsneutrale Material

Spielzeug mit Prüfsiegel
healthy Toys-Spielzeug hat bestanden

ien zu verwenden, die von zertifizierten deutschen Lieferanten stammen.“

Auf das SKZ-Prüfsiegel können sich Firmen und Verbraucher gleichermaßen verlassen. „Es soll vor allem Orientierung geben. Eine Umfrage, die wir unter mehr als 440 Käufern in Auftrag gegeben haben, bestätigt, dass über 86 Prozent der Befragten mehr Geld für ein
unbedenkliches Accessoire ausgeben würden“, wissen die Kunststoff-Experten.

Sicheres Spielzeug ist die Zukunft

Selbst wenn Rohstoffe vorwiegend aus Fernost stammen und die Fertigung in Asien stattfindet, gibt es keinen Grund, den Heimtierbedarf nicht etwas sicherer zu machen. Das zumindest ist die Mission von Alexander Ebenbeck und Anja Armani. Schutz und Aufklärung stehen an erster Stelle und sie wünschen sich mehr Unternehmen und Manufakturen, die dem Beispiel von Healthy Toys folgen. Mit dem Prüfsiegel des SKZ beweisen die Hersteller
zumindest, dass ihre Produkte auf Schadstoffe, UV-Beständigkeit und Bissfestigkeit geprüft sind.

Um das zu erreichen, stehen nicht allein die Unternehmen in der Verantwortung. Nur wenn die Tierbesitzer mitziehen, bereit sind, auf mehr Qualität zu achten und dafür auch
etwas tiefer in die Tasche zu greifen, wird sich etwas verändern. Dann darf es in den Regalen der Tierfachmärkte gerne bunt bleiben – aber eben sicher! Suzanne Eichel

Das SKZ-Prüfsiegel

Das Kunststoff-Zentrum SKZ ist wie ein kleiner Kosmos in sich, gegründet 1961 mit heute mehr als 430 Mitarbeitern, die weltweit in Sachen Kunststoffe unterwegs sind. Und nun auch im Hundehaushalt für mehr Sicherheit sorgen wollen.

Das Prüfsiegel für den Heimtierbedarf
Das Instiut in Würzburg

Vertrauen durch geprüfte Qualität steht hier im Vordergrund. Hersteller von Heimtierbedarf erhalten erstmalig die Möglichkeit, ihre Produkte auf Strapazierfähigkeit, gesundheitliche Unbedenklichkeit und Qualität testen zu lassen. Das SKZ-Prüfsiegel wird für einen festgelegten Zeitraum vergeben. Es gibt den Verbrauchern die Sicherheit, dass die gekaufte Ware, das Spielzeug und die Accessoires höchsten und aktuellen Standards entsprechen. https://www.skz.de

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