Statt mit Ignorieren, Auspowern oder gar Beruhigungsmitteln dem Problem zu begegnen, ist ein differenziertes Entschlüsseln des tierischen Verhaltens angesagt. Fürchtet sich der Hund vor unbekannten Lauten oder versetzt ihn das aus dem Nichts kommende Geräusch in Angst oder Panik oder macht er vielleicht aus einer Mücke einen Elefanten? Vielleicht ist Bello auch per se geräuschempfindlich? Wir gehen der Ursache dafür auf den Grund und erklären die Reaktionen.

Wovor fürchtet Bello sich?
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Am Anfang steht das Warum

Die Weichen für den Umgang mit der fremden Umwelt, also auch mit Geräuschen jeglicher Art, werden in der Junghundentwicklung gestellt. Fehlen insbesondere in dieser sensiblen Phase die Umweltreize oder sind diese reduziert, können die Folgen gravierend  Wer nichts oder nur wenig kennengelernt hat, reagiert auf alles Fremde unsicher, scheu, schreckhaft oder ängstlich bis hin zum übermäßigen Bellen. In der Regel betrifft dies insbesondere Hunde aus schlechten Zucht- und Haltungsbedingungen, aber auch Auslandshunde, die plötzlich mit einer völlig neuen Umgebung konfrontiert werden. Die alltäglichen Geräusche in der Stadt und womöglich auch in ihrem neuen Zuhause sind so ungewohnt für sie, dass im schlimmsten Fall sogar ein Toaster zum Alptraum werden kann.

Auch negative Lernerfahrung kann die Ursache sein

Der Klassiker geschieht oft beim Gassigang. Der Vierbeiner erschrickt sich bei einem lauten Autohupen, drückt sich schutzsuchend an seinen Menschen und wird dafür auch noch angeraunzt. Mit höchster Wahrscheinlichkeit verknüpft er nun das akustische Signal des PKWs mit einer unangenehmen Emotion. Mit viel Pech werden damit alle Autos zu Feinden oder das Gebiet des Geschehens negativ belegt. Auch Klapperdosen oder scheppernde Wurfgeschosse sind Paradebeispiele für unangenehme Lärmverknüpfungen.

Lassen Sie Ihren Hund nicht alleine mit seiner Angst
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Dann gibt es die Mimosen, die eine genetische Veranlagung zur Geräuscheempfindlichkeit haben. Studien verweisen zum Beispiel auf Hütehunde, insbesondere den Bearded Collie. Des Weiteren zählen Erkrankungen, Schmerzen oder andere Stressoren zu den Auslösern oder Verstärkern der Angst. Und dann lassen im Alter auch die kognitiven Fähigkeiten nach. Vorher bekannte akustische Stimuli vermag der Senior nicht mehr zuzuordnen und reagiert daher plötzlich auf Regen & Co. schreckhaft.

Angst und Furcht mit Verständnis begegnen

 Das Feuerwerk an Silvester löst bei zahlreichen Schnauzen pure Angst aus, denn sie können weder Knallerei, Blitze, noch Geruch zuordnen und empfinden all dies als unbekannte, nicht definierbare Bedrohung. Entsprechend fällt ihre Stressreaktion aus. Sucht Bello anfangs noch Schutz bei seinem Halter, verkriecht sich unterm Tisch, im Schrank oder Badezimmer und wird, so er keine Hilfe bekommt, dieses Vehalten von Jahr zu Jahr steigern.

Nähe und Streicheleinheiten sind wichtig
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Ein Hund mit akuter Angst ist wie gelähmt und kaum ansprechbar. Ist diese dermaßen übersteigert, kommt es zu Panikattacken. Mit ein Grund, warum ein angstvoller Vierbeiner beim notwendigen Gassigang besser angeleint bleibt, denn in seiner Panik sucht er sonst kopflos das Weite. Die physischen Angstreaktionen zeigen sich unter anderem in starkem Hecheln, erhöhter Herzfrequenz, Speichelfluss, Schweißabsonderung über die Pfoten bis hin zum unkontrollierten Absetzen von Kot und Urin. Im schlimmsten Fall entwickelt sich eine generalisierte Angststörung. Aus einer nicht behandelten Furcht dagegen kann schnell eine Phobie entstehen. Beispielsweise, wenn der Staubsauger angebellt oder angegriffen wird oder der Hund aus der Küche flieht, weil ein Küchenutensil scheppernd auf den Boden gefallen ist. War anfangs der bedrohliche Auslöser ein spezifisches lärmendes Gebilde, verliert sich später die Erinnerung und die völlig übersteigerte Reaktion überträgt sich auf andere Geräusche. Ähnlich wie bei einer Angst macht den Vierbeiner dies handlungsunfähig.

Wenig zielführende Strategien, um mit Angst umzugehen

  • Gegen Geräusche pauschal desensibilisieren. Damit soll zwar erreicht werden, dass sich der Hund dem Reiz gegenüber neutral verhält, also die emotionale Verhaltensreaktion verschwindet oder abgeschwächt wird. Das alles macht aber nur Sinn, wenn das Geräusch eindeutig identifizierbar ist. Problematisch wird es, wenn der Vierbeiner dieses mit einem traumatischen Erlebnis verknüpft hat und es durch die bewusste Konfrontation zu einer Verschlimmerung seines Verhaltens kommt. Ebenso kontraproduktiv ist es einen kranken Hund oder einen Senior zu desensibilisieren, insbesondere, wenn der Stressspiegel sehr hoch ist, er in Panik verfallen könnte oder der Lärm Schmerzen bereitet. Deshalb sollte diese Therapie ausschließlich durch einen erfahrenen Verhaltenstherapeuten erfolgen.
  • Desensibilisieren mit CD‘s versprechen Hilfe. Wäre nicht das Problem der für Menschen konzipierten Lautsprecher. Hunde hören bis zu 50 000 oder gar 100 000 Hertz, ihre Halter jedoch nur bis 20 000, im Alter abnehmend. Ergo können die Geräusche, die unsere Vierbeiner wahrnehmen gar nicht eins zu eins transportiert und viele angstauslösende Geräusche nicht zugeordnet werden. Das gilt vor allem für die alle Jahre wiederkehrende Silvesterknallerei oder unverhofft auftretende Schüsse im Wald. Dementsprechend findet die versprochene Desensibilisierung nicht statt.

    Bitte nicht sedieren
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  • Flooding ist ein No-Go in in der Konfrontationstherapie. Hier muss der Vierbeiner im schlimmsten Fall den unangenehmen Reiz so lange aushalten bis er sozusagen aufgibt. Der Mensch darf ihm dabei keinen Schutz gewähren. Was für eine Qual für den Hund! Er soll durch Schmerzen lernen, so lange, bis er eine Ohrentzündung bekommt? Nein, danke!
  • Ruhig stellen durch Medikamente ist eine gängige Empfehlung vor den zu erwartenden Geräusch-Ereignissen an Silvester. Besonders vom Wirkstoff Acepromazin (Handelsname zum Beispiel Sedalin) ist dringend abzuraten. Zwar werden Erregbarkeit und Motorik vermindert, die Muskeln erschlaffen, aber das Bewusstsein ist davon kaum beeinträchtigt. Der Hund bekommt also alles mit, kann sich aber nicht mehr bewegen und bleibt hilflos in seiner Angst gefangen.
  • Einfach ignorieren, um die negativen Emotionen der Angst oder Furcht zu begegnen, lässt das Tier sich schutzlos sowie alleine fühlen und schädigt die Mensch-Hund-Beziehung.

So geht`s besser

  • Soziale Unterstützung

Ist der Mensch ein verlässlicher Sozialpartner, der weiß, wo es langgeht, entsprechend ruhig agiert, Trost spendet und Schutz gewährt, stärkt er das Selbstvertrauen seines besten Freundes. Mit bestimmten Übungen kann er dem unsicheren, furchtsamen oder ängstlichen Hund helfen, über sich hinauszuwachsen. Das Vertrauen und die kleinen Schritte stehen dabei im Vordergrund. Schnelle Lösungen und Überforderung sind zu vermeiden. Egal ob Starkregen, Gewitter oder Feuerwerk: Ein souveräner Halter gewährt dem Hund das Kuscheln an seiner Seite oder das Aufsuchen von Plätzen, die ihm Sicherheit bieten. Hilfreich ist es, angstauslösende Reize so gut wie möglich durch geschlossene Fenster und heruntergezogene Rollos abzudämpfen. Bewährt hat sich auch eine abgedunkelte Box als sichere Höhle oder leise Musik. Selbst Watte im Ohr, ein dicker Schal oder einfach nur etwas zu kauen, könnten helfen, die Geräusche zu mildern.

Massagen von Frauchen oder Herrchen helfen
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  • Entspannung durch Massagen

Hier führen unterschiedliche Ansätze zum Ziel: Ruhiger Blickkontakt und sanftes Berühren oder Streicheln von Frauchen oder Herrchen schütten das stresssenkende Bindungshormon Oxytocin aus. Wahre Wunder bewirken auch Entspannungsmassagen oder ein gezieltes Streicheln über mindestens 20 Minuten lang, das mit einem ruhigen Markerwort verknüpft wird.

  • Entspannung durch Aromatherapie & Pheromone

Reines Sandelholzöl in einem Ultraschall-Vernebler wirkt wissenschaftlich erwiesen extrem beruhigend, entspannend und gleichzeitig konzentrationssteigernd. Sparsam angewandt kann das Öl später auf die Haut, den Hundeschlafplatz, die Mitnehmkuscheldecke oder auch auf das Halsband aufgetragen werden.

Weitere Mittel, die den Stresspegel deutlich absenken sollen, sind beispielsweise Pheromone auf dem Halsband oder über einen Zerstäuber (DAP, Dog Appeasing Pheromone). Das hilft aber nur, wenn die Hunde eine angenehme Verknüpfung an die Zeit mit ihrer Mutter herstellen können. Auch Sana-Tranquilact oder Zylkene sollen helfen, deren konzentrierte Wirkstoffe aus hochwirksamem Milch-Peptid beruhigend wirken. Das gleiche gilt für GABA-Ersatzmittel(GABA für Gamma-Amino-Buttersäure) wie Baldrian, Passionsblume oder Ginseng. Und auch die Homöopathie hält an Unterstützung einiges bereit.

CBD Vital hilft Hunden bei Angst und Stress
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  • Mit CBD zur Gelassenheit

Ein anderer begleitender Ansatz zur Linderung ist das Cannabidiol (CBD), insbesondere, wenn es um das allgemeine Wohlergehen mit Blick auf Stimmung, Entzündungsgeschehen und Merkfähigkeit geht.

Mit dem Bio-Hanföl für Hunde von CBD VITAL können Frauchen und Herrchen ihrem Liebling bei innerer Unruhe, Nervosität oder altersbedingten Beschwerden gezielt helfen, die Balance wiederherzustellen. Das Phytocannabinoid Cannabidiol aus der Hanfpflanze wirkt sich unmittelbar auf das körpereigene Endocannabinoid-System aus. Und das ist für ein Gleichgewicht in Körper und Seele mitverantwortlich. https://www.cbd-vital.de

  • Sanfte Töne

Akustisch für den hochfrequenten Hörsinn des Hundes verspricht ein Soundmodul für Tiefenentspannung. Die Handhabung ist relativ einfach und kann überall unterwegs angewandt werden. Die anmutende meditative Musik lässt sicherlich auch so manchen Hundehalter relaxen.

  • Angstlösende Mittel

Ist die Angstreaktion immens und alles hilft nur noch ein bisschen, dann sind angstlösende Benzodiazepine notwendig. Diese Valium-Derivate können jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Von daher ist immer der behandelnde Haustierarzt zu Anwendung, Kontraindikationen und Dosierung zu befragen und außerdem ein Probelauf notwendig. Eine Alternative bietet hier wiederum die Aromatherapie. Reines Jasmin Öl wirkt ähnlich stark wie Valium und bindet sich an denselben Rezeptor im Gehirn wie Benzodiazepin und verschiedene andere Barbiturate. Entsprechend ist die Wirkung extrem beruhigend und angstlösend.

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Fazit: Jeder Hund empfindet anders. Folglich sollten die helfenden Maßnahmen individuell gewählt werden. Manchmal lässt sich aber mit bestem Willen und viel Engagement nicht alles wegtherapieren. Lassen Sie Ihren Schützling bitte niemals im Regen stehen, sondern bleiben sie an seiner Seite. Christine Holst